Wie beeinflusst die Klimakrise die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Banken?

Bei uns in Norddeutschland sind wir vom Klimawandel direkt bedroht. Mit dem Steigen des Meeresspiegels werden Kiel, Flensburg, Lübeck und Husum betroffen sein, wie kaum andere.  Die Finanz- und Bankenwelt passt daher ihre Praxis an, um ihren Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels und anderer sozialer und ökologischer Krisen zu leisten.

E S G ist das Akronym, das die Deutsche Bank in einem Vortrag vor dem UVNord, in dem die HWB Gruppe Mitglied ist, etabliert.

Enviromental - Social - Governance

Umwelt - Soziales - Unternehmensführung

Nach diesen 3 Parametern hin wird die Unternehmenswelt sich ändern - bald wohl ganz konkret durch den EU-Vorschlag zur „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD, Nachfolger der NFRD) der bald in nationales Recht umgesetzt werden könnte. Diesem Vorschlag zur Folge müssen große Unternehmen - >250 Mitarbeiter oder >40 Mio.€ Umsatz oder >20 Mio.€ Bilanzsumme – sich bemühen, ihren Teil zur Erreichung des 1,5° C Ziels zu erhöhen und in einem Bericht offenzulegen. In Deutschland müssen dann ca. 15.000 Unternehmen rückblickende & zukunftsorientierte, qualitative & quantitative Informationen für Kreditgeber bereitstellen, z.B.

  • ESG-relevante Strategien & Stakeholder,
  • Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten,
  • Risiken & Chancen,
  • Pläne für Erreichung 1,5°C Klimaziel und Ziele & Fortschritte auf diesem Weg sowie eingeführte Richtlinien & Maßnahmen.

Auch relevant sind die Anteile taxonomiekonformer Umsätze.

Die „EU Taxonomie” als Klassifizierungssystem für nachhaltige Unternehmensaktivitäten

 

Aktuell sind solche Branchen taxonomierelevant, die vorrangig für Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Anhand des NACE-Codes des Wirtschaftssektor kann Taxonomiefähigkeit an folgenden Faktoren geprüft werden:

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an Klimawandel
  3. Nachhaltige Verwendung und Schutz von Wasser und Meeresresourcen
  4. Übergang in Kreislaufwirtschaft
  5. Vermeidung/Verminderung von Umweltverschmutzung
  6. Schutz der Biodiversität und Wiederherstellung der Ökosysteme

Aus dieser Überprüfung resultieren 3 Arten von nachhaltigen Aktivitäten:

  1. Aktivitäten, die das Umweltziel direkt fördern, indem sie selbst „grün“ sind (z.B. emissionsfreie Energieerzeugung)

  2. Enabling-Aktivitäten, die andere Aktivitäten bei Erreichung der Umweltziele unterstützen (z.B. Datenservice für Energieeffizienz)
  3. Transition-Aktivitäten, die beispielsweise durch Ausphasen von Treibhausgasemissionen den Übergang in eine CO2-neutrale Wirtschaft unterstützen (Übergangstätigkeit) und dafür bestimmte Bedingungen erfüllen.
Wie wird sich die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Banken ändern?

 

In Zukunft werden immer mehr Banken ein Auge auf ESG haben - ähnliches sagte bereits Erk Westermann-Lammers, IBSH, in unserem Blog.

ESG-Risiken haben Einfluss auf Risikoappetit, Branchenallokation und Kreditmargen. Banken treten dadurch als Risikomanager auf. Können aber zeitgleich auch Wachstumsförderer sein. Banken als Finanzintermediäre helfen, Kapitalströme umzuleiten und den Übergang zu einer nachhaltigeren Zukunft zu finanzieren.

»Die Unterstützung konkreter Transformationspfade beinhaltet das Angebot von Brückenfinanzierungen für Unternehmen, die eine glaubwürdige ESG-Strategie verfolgen«, meint Stefan Hoops, Leiter Corporate Bank der Deutschen Bank. So wird es passieren, dass es zu einem vermehrt zweckgebundenen Einsatz der Finanzmittel kommt, zum Beispiel:

  • Gebäudeeffizienz
  • Material- & energiesparendere Produktionsverfahren
  • Investitionen in den Nachhaltigen Fuhrpark.

Auch wird es vermehrt Finanzierungen geben, die an Nachhaltigkeitsziele geknüpft sind, so entsteht finanzieller Anreiz bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes. Die gesamte Bewertung nach ESG steigert auch die die Wertigkeit von Investmentfonds nach ESG-Kriterien.

Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie - Wie können Unternehmer vorgehen?

 

Um das eigene Unternehmen nachhaltig und ESG-konform aufzustellen gibt es 4 Bereiche, die betrachtet werden müssen.

Nachhaltigkeitsprüfung

WAS gibt es bisher? Die Bestandsaufnahme beinhaltet nicht zu letzt die Analyse des gesamten Wirtschaftens und Wertschöpfung.

Wesentlichkeits-Analyse

WER sind die Beteiligten? WAS sind die wichtigsten Themen? Aus der vorangegangenen Prüfung müssen nun die wichtigsten Akteure und Themen analysiert werden, die verändert, den größten Beitrag zur Erreichung der ESG-Ziele leisten.

Strategische Positionierung

WAS wollen wir erreichen? Wie in jedem guten Projekt müssen erreichbare und messbare Ziele für jeden Bereich formuliert werden. So schafft man Verantwortung, die durch eine Verknüpfung mit der Vergütung auch finanziell bestärkt wird.

Nachhaltigkeitsprogramm

WIE will ich es umsetzen & berichten? Im letzten Schritt müssen konkrete Maßnahmen formuliert werden. Da die ökologischen Ziele in der Vergangenheit entgegen der Ökonomie liefen und den Mitarbeitenden oft zusätzliche Leistung abverlangen, ist hier die Motivation und Führung des Top-Managements gefragt, die nicht nur mit gutem Beispiel voran gehen muss, sondern auch aktiv das Unternehmen ESG-konform ausrichten muss.