11.01.2023

Diese »Multimedia Prinzipien« machen Ihren Vortrag besser

Konzepte erstellen, präsentieren und erklären – das ist stark vereinfacht die Arbeit eines Unternehmensberaters. Wir werden als Experten hinzugeholt, wenn das Wissen unserer Mandanten sein Ende findet. Um unseren Partnern komplexe Sachverhalte verständlicher nahezubringen, ziehen wir wissenschaftliche Erkentnisse heran: Die »Multimedia Prinzipien« nach Richard E. Mayer und Logan Fiorella (2022).

Im Jahr 2022 erschien die neueste Auflage des »The CAMBRIDGE HANDBOOK OF MULTIMEDIA LEARNING« von Richard E. Mayer und Logan Fiorella. Die beiden Herausgeber & Autoren beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit der multimedialen Wissensvermittlung. Als »multimedial« gilt etwas, wenn der Inhalt über mehr als ein Medium präsentiert wird. Ein Video ist multimedial, da es Bild und Ton nutzt. Dieser Text ist multimedial, da Grafiken, Listen und Links genutzt werden. (Powerpoint-)Präsentationen sind es ebenso. Häufig werden sie vorgetragen oder der Text wird mit Bildern und Tabellen ergänzt. Und so sollte es auch gemacht werden.

13 von 13 Studien – Evidenz für Multimediale Präsentationen unumstritten

In den vergangenen 20 Jahren zeichneten die Studien von Mayer und seinen Kollegen ein klares Bild. In 13 von 13 Studien bewiesen sie, dass Lerninhalte besser zu verstehen sind, wenn sie mit Texten UND Bildern präsentiert werden -  als nur mit Texten allein. Eine solch eindeutige Evidenz findet man in der Wissenschaft selten. Aber nicht umsonst sagt das berühmte Sprichwort: »Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.« Mayer würde bestimmt ergänzen: »Bild und Text sagen mehr als 2.000 Worte.«

3 Ziele für jeden Vortrag

Mayer, Fiorella und die anderen AutorInnen des Buches geben eine klare Hilfestellung, wie durch das Einhalten der »Multimedia Prinzipien« jede Präsentation, Vortrag und Konzeptpapier zum Erfolg wird. Dabei verfolgen sie 3 Ziele:

  1. Minimieren von Ablenkungen:
    Dies beschreibt das „Minimieren von Denkprozessen, die nicht relevant oder sogar hinderlich beim Verstehen sind.“ Ablenkungen werden durch schlechtes Design oder Vortragsweise hervorgerufen, manchmal auch durch die Umwelt. 
  2. Fördern der Aufmerksamkeit:
    Als essenziell bezeichnen die AutorInnen alles Denken, das „durch das vorliegende Material ausgelöst wird“. Ist dieses kompliziert, muss viel Aufmerksamkeit und Grips dem Inhalt gewidmet werden, um ihn aufzunehmen. Diese Aufmerksamkeit muss gelenkt werden. 
  3. Unterstützen beim Verstehen:
    Die Multimedia Prinzipien sollen auch dabei helfen, Sinn aus den Inhalten der Präsentation zu formen. Gerade hier kann ein gutes Vortrags-Design helfen.
6 Prinzipien + 2x Bonus – Mut zum Anhang

Im »The CAMBRIDGE HANDBOOK OF MULTIMEDIA LEARNING« werden viele verschiedenen Prinzipen genannt. Diese sind die 6 Wichtigsten:

Multimedia-Prinzip – Nutzen von Bildern und Worten
Gerade komplizierte Inhalte sollten auf der Folie mit einem Bild, Graph oder Schaubild dargestellt werden + wenige Stichpunkte. Weitere Erklärung der Folie sollte verbal passieren. Wir haben Ihnen vorhin die 3 Ziele sowohl im Text, als auch in einer Grafik gezeigt - Doppelt hält besser! 

Kohärenz-Prinzip – Eliminieren von unnötigem Material
Das Logo durchsichtig im Hintergrund auf jede Folie zu platzieren, sieht zwar schön aus, schafft aber keinen Mehrwert beim Verstehen des Inhaltes und kann zu Unleserlichkeit führen. Genauso sollten zu viele Farben und geschwungene Schriften vermieden werden. Hier ist weniger mehr.

Redundanz-Prinzip – Textwüsten vermeiden
Dies ist das Prinzip, gegen das laut Mayer und Fiorella am häufigsten verstoßen wird. Eine Folie voller Text und dieser wird dann auch noch vorgelesen. Hier wäre es besser, Stichpunkte zu nutzen. Gerne darf der Inhalt auch auf 2 Seiten aufgeteilt werden.

Segmentierungs-Prinzip – Pausen sind wichtig
Pausen sind keine verschwendete Zeit. Sie als Vortragender können sich sammeln, das Publikum kann den Input verarbeiten und vielleicht sogar Fragen formulieren. Das Segmentierungs-Prinzip wird nicht nur in Vorträgen verletzt, sondern auch häufig bei Tagungen. Zwischen den Vorträgen sollten ausreichend Pausen eingeplant werden, um den Zuhörerinnen und -hörern Zeit zum Luftholen zu geben. Die in diesem Text genutzten Stichpunkte unterteilen den Text und sind so gut zu lesen - auch das ist Segmentierung. Also nehmen Sie sich gerne hier eine Minute.

Personalisierungs-Prinzip – Frei Sprechen und Gesicht zeigen

Expertisen-Prinzip - Die Botschaft ist nur gut, wenn sie auch verstanden wird
Wir von der HWB Gruppe sind Experten in der Unternehmensberatung und im M&A-Geschäft. Unsere Mandanten verkaufen jedoch ihre Unternehmen nur einmal im Leben und sind Experten in ihrer Branche. Hier ist es zentral, dass wir Sender verstehen, was der Empfänger weiß und wie er tickt. Eine intensive Vorbereitung ist das A und O.

Bonus 1: Das Anhang-Prinzip - Erklärungen am Ende
In unserer Arbeit sind uns 2 weitere Prinzipien aufgefallen, die häufig missachtet werden. Beide richten sich an das Ende der Präsentation. Wenn die Inhalte komplex sind, ist es schwierig, sie in 2 Folien zu erklären. Wir befinden uns häufig in der Situation, unsere Konzepte und Beratung »beweisen« zu müssen. Um die Präsentation nicht zu langwierig werden zu lassen und unser Publikum nicht zu überfordern, sollten wir es halten wie bei einer guten Hochzeit: Gerne mit Anhang. Im Anhang, der ausgedruckt oder per Mail dem Publikum bereitgestellt wird, darf alles beschrieben, erklärt, hergeleitet, bewiesen und begründet werden. Die Interessierten im Publikum werden dies nutzen. In diesem Blog-Beitrag ist es ähnlich. Wir erklären Ihnen die aus unserer Sicht wichtigsten Prinzipien. Natürlich sind das nicht alle. Die umfangreiche Checkliste finden Sie unten zum Download. Lesen Sie auch gerne das Handbuch von Mayer und Fiorella.

Bonus 2: Keine Fragen? – Das ist schlecht.
Am Ende der Präsentation werden die Fragen gestellt. Niemand hat eine Frage? Dann haben wir alles gut erklärt…oder? Wir meinen, das stimmt nicht. Fragen zu stellen und zuzulassen ist Teil des 3. Ziels von Mayer, des »Sinn-Herstellens« des Erlernten. Wer keine Fragen hat, ist nicht interessiert oder hat den Inhalt so weit nicht verstanden, dass er oder sie nicht einmal Fragen formulieren kann. Manchmal ist auch die Atmosphäre so wenig einladend, dass die Person sich nicht traut, Fragen zu stellen. In jedem Fall liegt es an uns als Vortragenden, eine Atmosphäre zu gestalten, die zum fragen einlädt. Dies kann durch Erlauben von Wortbeiträgen während des Vortrages erreicht werden oder in dem Sie zu Beginn Schreibblöcke austeilen, in dem das Publikum Erinnerungsstützen notieren.

Also: Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie mich gerne!

Die Prinzipien-Checkliste: Jetzt hier runterladen!
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